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Doppelter Grund zum Feiern

Bei Gemeindefest in Brück zehn Jahre Gospelchor und Rückkehr erster Titanen-Treckis gefeiert

Von Andreas Koska

Brück. Alles begann mit einem Gospel-Workshop im Herbst 2008 und mündete in der Gründung des Gospelchors Brück. Am Sonntag gab der Chor nun sein Jubiläumskonzert. Denn er besteht seit genau zehn Jahren. „Damals war die Euphorie riesig, da haben wir nicht daran gedacht, wie lange es uns geben wird“, erinnert sich Annette Radigk. „Entscheidend war, dass es uns gab“, sagt die Sängerin. Die Leitung hatte anfangs Derryl Best inne. Der Chorleiter aus Berlin hatte das „FKK-Singen“ zelebriert. Die Sänger sollten „die Sau rauslassen, aus sich herauskommen, sich förmlich entblößen“, so das Motto der Brücker. Immerhin war Gospel ursprünglich der Arbeitsgesang der Sklaven in Amerika, mit dem sie sich eine innere Freiheit ersungen haben. Als Chorleiter Best jedoch plötzlich verstarb, fiel sein Chor in ein Loch. Über Umwege und Bekannte konnte ein neuer Chorleiter gefunden werden. Nunmehr ist Ilja Panzer Panzer seit sechs Jahren der Taktgeber. Der 37-Jährige leitet außerdem vier weitere Chöre in Berlin und Cottbus.

„Ilja ist ein toller Mann und Chorleiter. Er ist ein Musiker und Psychologe, charmant und geduldig“, beschreibt Amelie Segit. Sie ist ein halbes Jahr nach Gründung zum Chor gestoßen. „Dabei ist Ilja noch konsequent“, setzt Annette Radigk hinzu. Beide Frauen loben den Zusammenhalt der großen Truppe. Immerhin hat der Chor 40 Mitglieder. Davon ist ein Viertel Herren. „Neue Mitglieder aller Stimmlagen sind uns immer willkommen, im Augenblick suchen wir besonders dringend Tenöre“, sagte Amlie Segit und lädt zum Mitmachen ein. Das Lob an seine Person, gibt Ilja Panzer an den Chor zurück. „Es ist ein bunter, gemischter Chor mit Herz und Musikalität und vor allem mit viel Ehrgeiz“, sagt der Chorleiter. Er merke, „dass die Mitglieder singen wollen“. Am Sonntag bildete das Jubiläumskonzert der Gospelsänger den Abschluss des Gemeindenachmittags an der Kirche zu Brück-Rottstock.

Der Gottesdienst fand in einem Zelt im Pfarrgarten statt. zurück in der Heimat begrüßt wurden dort auch die ersten 18 Mitglieder des Friedenstracks mit Pferdewagen der Titanen. „Die Pferde und die Wagen stehen noch an der russisch-estnischen Grenze“, berichtete Pfarrer Helmut Kautz. Er war nach gut 2300 Kilometern dabei, als am Freitag am Ziel des Trecks in Weliki Nowgorod die eigens gegossene Friedensglocke übergeben wurde.

Die estnischen Grenzer und ihre Arbeit beschrieb Kautz, als „sowjetische Bürokratie mit deutscher Gründlichkeit“. Unter den „Treckies“ waren auch Matthias Funke aus der Nähe von Bottrop und Alfred Rutzen aus der Lüneburger Heide. „Thomas Haseloff vom Kaltblutverein sprach mich vor zwei Jahren bei der Grünen Woche in Berlin an und fragte, ob ich mitkommen will. Ich sagte sofort zu“, erzählt Funke. Besonders beeindruckt habe ihn bei einer Nachtwache am Lagerplatz die Begegnung mit einer trächtigen Braunbärin. Gestern konnte Funke im Kreise der Mitstreiter seinen 58. Geburtstag feiern.

Alfred Rutzen ist acht Jahre älter. „Ich bin nur mitgefahren, weil ein Freund verhindert war, ich will die Erfahrung nicht missen“, erzählt der Teilnehmer, der drei Wochen bei der Fahrt durch Polen dabei war. Auch Pfarrer Helmut Kautz, der von der gesamten Reise stark begeistert ist, möchte die Erfahrungen nicht missen. „Die härteste Übung war jedoch das Gebet vor dem Essen, denn die Rentner sind ungeduldig“, gab er der Geistliche nun in der Heimat zum Besten vor gut 150 Besuchern des Gemeindefestes.

FOTO: ANDREAS KOSKA
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MAZ-online.de/Titanenziel

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