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Titanen on Tour – mit Pferdekutsche und Friedenstaube nach Russland

Ein Treck mit acht Pferdekutschen ist gerade unterwegs von Brandenburg nach Russland. Die Teilnehmer wollen auf ihrer Tour, die sie über drei Monate durch Polen und das Baltikum nach Russland führt, ein Zeichen für Frieden und Völkerfreundschaft setzen. Von den Menschen vor Ort werden sie begeistert empfangen.

Viele Menschen und Organisationen haben sich in den vergangenen Jahren auf den Weg gemacht, um ein Zeichen für die deutsch-russische Freundschaft zu setzen. Es gab Friedensfahrten mit Auto oder Motorrad, per Fahrrad und Zug; ein älterer Herr machte sich sogar mit dem Traktor auf den Weg von Deutschland nach Russland. Die mit Abstand entschleunigste Art zu reisen haben diesen Sommer die „Titanen on Tour“ gewählt. Sie sind mit Pferde-Planwagen unterwegs!

Die Idee zu dieser Tour kommt von dem brandenburgischen Verein „Kaltblut Zucht- und Sportverein Brück e. V.“. In der Kleinstadt Brück, ca. 50 km südlich von Berlin gelegen, findet seit 17 Jahren die legendäre Pferdeveranstaltung "Titanen der Rennbahn" statt, die jedes Jahr bis zu 25.000 Besucher aus ganz Europa anzieht.

Bereits vor über zehn Jahren hatte der Verein die Idee, mit Pferdewagen durch Europa zu ziehen und ein Zeichen für den Frieden zu setzen. Dafür hatten die Pferdefreunde die historische Handelsroute „HELLWEG“ vom flämischen Brügge am Atlantik über das Flämingstädtchen Brück bis ins russische Weliki Nowgorod ausgewählt. Der erste Teil der Reise von Brügge nach Brück konnte 2009 unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck realisiert werden. Nun, 2018, ist es endlich soweit, den Treck gen Osten zu wagen.

Am 23. Juni ging es für die Karawane los in der Titanen-Arena in Brück. Die zu bewältigende Strecke umfasst mehr als 2.300 km und wird mehr als 12 Wochen dauern. Mit 8 Planwagen mit je 2 bis 3 Begleitpersonen, gezogen von den leistungsstarken rheinisch-deutschen Kaltblutpferden, hat die Tour bisher Polen durchquert, einen Abstecher ins russische Kaliningrad gemacht und befindet sich aktuell im Baltikum. Von dort soll es am 21. September nach Russland gehen. Über St. Petersburg soll Anfang Oktober das Ziel der Reise Weliki Nowgorod, die älteste Stadt Russlands erreicht werden.

Auch der zweite Teil der Pferdetour durch Europa wird wieder vom Land Brandenburg unterstützt. Dessen Ministerpräsident Dietmar Woidke schickte eine Grußbotschaft:

„Ein Brandenburger Projekt aus Potsdam-Mittelmark trägt damit den Gedanken der Völkerverständigung zu den Menschen an der Strecke durch Teile Europas. Das kann in seiner Wirkung auf die Öffentlichkeit stärker wirken als manche Politdiskussion. Im Mittelpunkt steht das friedliche Miteinander der Völker im gegenseitigen Respekt. Dies ist ein wichtiges Signal für den Dialog."

Problemlos über die russische Grenze
Bisher lief die Reise den Erzählungen und Fotos der Teilnehmer nach zu urteilen, famos. Überall wurden sie herzlich empfangen und selbst an den Grenzen gab es keine Probleme.

So berichtet Thomas Haseloff, der Vorsitzende des Brücker Pferdevereins, überglücklich, dass die Überfahrt an der Grenze zum russischen Kaliningrad reibungslos ablief. Mit der Abfertigung in insgesamt nur vier Stunden an beiden Grenzen hatte niemand gerechnet. Die Titanen wurden hier bereits erwartet und die Russen bemühten sich, den Treck schnell abzufertigen

"Sicherlich haben wir das zu großen Teilen unserem Veterinäramt zu verdanken, das sehr engagiert mit den ausländischen Behörden in Kommunikation stand, um einen reibungslosen Ablauf, insbesondere an den Grenzen, zu gewährleisten.", so Haseloff.

Ein rotes Band von Deutschland bis Weliki Nowgorod
Natürlich können nicht alle Teilnehmer ein Vierteljahr Urlaub nehmen. So wechselt man sich ab, neue Teilnehmer fliegen hinterher und stoßen dazu. So auch Monika Tharann, Geschäftsführerin der Stiftung West-Östliche Begegnungen, die die Titanen on Tour mit einer Förderung unterstützt. Frau Tharann hat sich dem Treck im russischen Kaliningrad für einige Tage angeschlossen und zeigt sich im Sputnik-Interview überzeugt:

"Ich war von Anfang an total begeistert von der Idee, auf diese alternative Art und Weise ein rotes Band zu ziehen von Deutschland bis Weliki Nowgorod, das Länder verbindet, die oftmals in der großen Politik nicht immer auf einer Linie sind. Die Botschaft dieser Reise ist Frieden und Völkerverständigung."

Tharann zeigte sich auch beeindruckt von der technisch-organisatorischen Seite dieses Unternehmens: "Da sind ja im Schnitt 16 Pferde und acht historische Planwagen unterwegs. Da muss es also professionelle Kutscher geben. Es ist aber auch ein Bäcker dabei, der gleichzeitig Sponsor ist, der seinen Backofen dabei hat und Brot bäckt, das unterwegs herausgereicht wird. Es ist auch ein Landwirt dabei, der ein großes Begleitfahrzeug fährt, das die Versorgung der Pferde sicherstellt. Ich hätte nicht gedacht, dass so ein großer technischer Aufwand erforderlich ist."

Der Gouverneur empfängt mit Brot und Salz
Frau Tharann räumt aber auch ein, dass diese "romantische" Art des Reisens nicht immer ganz so bequem ist:

"Es ist auch nicht so ganz einfach. Man hat keinerlei Komfort in diesen Holz-Planwagen, was auch physisch ganz schön zu merken ist. Man muss auch manchmal mit sehr einfachen Unterkünften klarkommen."

Entschädigt wird man für die Strapazen jedoch durch die Reaktion der Menschen auf der Strecke. Gerade in Russland wurde der Treck auch von offizieller Seite begeistert empfangen, erzählt Tharann:

"Die Gastfreundschaft ist überall überwältigend. Die Menschen auf der Straße jubeln, wenn sie den Zug sehen. Sie suchen das Gespräch, streicheln die Pferde, heben die Kinder in die Kutschen. So etwas ist ja auch ein Ziel dieser Tour. Der zweite Aspekt ist, dass der Treck auch von den lokalen Behörden überall mit Brot und Salz oder Kulturprogramm begrüßt wurde. In Kaliningrad hatte das Landwirtschaftsministerium den Empfang organisiert und selbst der Gouverneur von Kaliningrad kam persönlich zur Begrüßung. Es gibt mit dem Projekt also auch eine Wirkung hinein bis in die offiziellen Ebenen. So kann man zeigen — wir sind für Frieden und Zusammenarbeit mit euch und freuen uns bei euch zu Gast zu sein."

Im Moment ist Halbzeit bei den Titanen. Bisher haben die Friedensbotschafter gut 1100 Kilometer zurückgelegt, weitere 1100 Kilometer liegen noch vor ihnen, bis sie Anfang Oktober das russische Weliki Nowgorod erreichen.

Armin Siebert

Quelle: Quelle:Sputnik News

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